dima
  • remnants of an uncertain future

    installation in public space, Ukraine (47°40’15.9"N 31°17’05.1“E) /re-used bricks, mortar / 2019
    Die ortsspezifische Installation „remnants of an uncertain future“ wurde im öffentlichen Raum in der ländlichen Ukraine aus gesammelten und wiederverwendeten Ziegelsteinen eines leerstehenden sowjetischen Wohnbaus realisiert. Der Platz, auf dem die Installation entstand, befindet sich direkt vor dem fünfgeschossigen Gebäude, das mitten in der steppenhaften Landschaft für die Arbeiterinnen der umliegenden Fabriken 1988 errichtet wurde. In den letzten Jahren wurde der Wohnbau zu einer „geteilten Ressource“ des Dorfes, in dem er von Menschen buchstäblich als "Materiallager" genutzt und langsam im Inneren dekonstruiert wird. Dabei werden die weißen Ziegelsteine des Mauerwerks von einzelnen Personen abgebaut, die das Material wiederverwenden in dem sie Garagen, Tierställe oder andere Nutzräume bauen. Diesen materiellen „Recyclingprozess" lese ich analog zur prozesshaften Aufarbeitung von sowjetischer Geschichte, die in der Ukraine von widersprüchlichen Bewegungen und Überzeugungen geprägt ist. Erbaut wurde der Wohnblock nach einem seriellen Plan, zerlegt wird er aber nun von Individuen, die sich das sowjetische Baumaterial ihren Bedürfnissen entsprechend aneignen und eigenständige Konstruktionen anfertigen, dadurch aber das Material gleichzeitig privatisieren.

    Die Geschichte des Wohnblocks und den stattfindenden Prozess der Wiederverwendung und Privatisierung aufgreifend, wurden Objekte errichtet, die sich zwischen Skulptur und Architektur bewegen, und von Anbeginn als fragmentarische, unfertige Bauteile oder Reststücke einer bereits zerfallenen Architektur angelegt waren. So befinden sie sich in einer undefinierten Zeitlichkeit zwischen Vergangenheit und einer möglichen Zukunft und halten gleichsam die Möglichkeit einer Weiterentwicklung des Platzes durch Individuen oder eine Gemeinschaft offen. Da die Installation auf einem öffentlich zugänglichen Platz gebaut wurde, wurde ebenfalls die eventuelle Nutzbarkeit der Objekte (als Fußballtore, Sitzgelegenheiten) mitgedacht und subtil umgesetzt ohne dabei die skulpturale Eigenständigkeit der einzelnen Elemente - welche die Formen übergebliebener Wandstücke aufgreifen und sich so in das Dorfbild, das durch unzählige Ruinen unfertiger oder zerfallener Gebäudeelemente geprägt ist, einbetten - zu vernachlässigen.
    The site-specific installation "remnants of an uncertain future" was realized in public space in rural Ukraine from collected and reused bricks of a abandoned Soviet residential building. The site where the installation was built is located directly in front of the five-storey building, which was built in 1988 in the middle of the step-like landscape for the workers of the surrounding factories. In recent years, the building has become a "shared resource" of the village, where people literally use it as a "material store“ slowly deconstructing it from the inside. In the process, the white bricks of the masonry are dismantled by individuals who reuse the material by building garages, stables or other utility spaces. I read this material "recycling process" analog to the processual reappraisal of Soviet history in Ukraine, which is marked by contradictory movements and beliefs. The housing block was built after a serial plan and is now disassembled by individuals who create autonomous constructions thereby appropriating the Soviet building material according to their needs - but at the same time privatizing the material.

    Taking up the history of the residential building and the described process of reuse and privatization, objects have been created that range between sculpture and architecture, and their fragmentary shapes are based on parts of unfinished houses or remnants of an already crumbling architecture. Thus, they are situated in an indefinite temporality between the past and a possible future at the same time giving possibility for further development of the place by individuals or a community. Since the installation was built on a public space, the potential usability of the objects (as football goals, seating) was considered and subtly implemented without neglecting the sculptural autonomy of the individual elements, which adopted the shapes of remaining wall-fragments thus becoming part of the rural landscape, which is characterized by innumerable ruins of unfinished or decomposed building parts.